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Russen lassen eiskalte Maus wieder hüpfen Nowosibirsk, 11.08.2004
Da brachen selbst die hartgesottensten russischen Wissenschaftler in Freudenschreie aus: Am Mittwoch, den 11.08.2004, ist es einer Gruppe von Biotechnikern unter der Leitung von Professor Nikolai Dubinin am Institut für Zellforschung und Genetik in Nowosibirsk gelungen, einen kompletten Organismus wiederzubeleben, welcher sich acht Monate in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius befand.
Zwar war die kleine russische Streifenhüpfmaus "Sicista betulina" nur vier Stunden nach der Rückholaktion aus dem Kryoniktank am Leben, aber "dies ist dennoch eine Sensation und weit mehr, als wir erwartet hatten", so Professor Dubinin. "Eigentlich erhofften wir uns nur gut erhaltene Zellverbände aus Herz und Gehirn." Eine große Hilfe war dem Kryobiologenteam um Professor Dubinin die ganz neuartige Kühlflüssigkeit "SuperCool 1000", welche von der amerikanischen Kryonik-Organisation "Alcor" entwickelt wurde. "SuperCool 1000 besteht aus derart großen Molekülen, dass wir die kleine Streifenhüpfmaus anscheinend mit nur geringen Einfrierschäden konservieren konnten. Von diesem Ergebnis sind wir selbst überrascht. Offensichtlich haben das Gehirn und das Herz die achtmonatige Einlagerung in Flüssigstickstoff unbeschadet überstanden." Und dass das zweite Leben der kleinen Maus nur vier Stunden dauerte, sehe er das nicht als einen Mißerfolg an? "Keineswegs", so Professor Dubinin. "Wir haben uns bei der Weiterentwicklung der Methode der Kryonik und insbesondere der Vitrifikation fast ausschließlich auf das Gehirn und das Herz konzentriert. Und diese beiden Organe haben, wie unsere Gewebsuntersuchungen nach dem endgültigen Ableben der Maus zeigten, die kryonische Prozedur vollkommen unbeschadet überstanden." Dass die Maus nach vier Stunden schließlich doch endgültig verstarb, lag in der Hauptsache an einem Versagen der Leber und der Nieren. "Aber unsere Untersuchungen dieser Organe haben uns ganz deutlich gezeigt, was wir bei der Aufbewahrung in Kryonik noch verbessern müssen, um schon bald ein Verfahren zu entwickeln, um einen kryonisch konservierten Organismus nach der Reanimation endgültig am Leben zu halten." Auch Kryobiologen aus USA, Deutschland und Groß-Britannien sehen einen Meilenstein in den Resultaten aus Nowosibirsk. "Was bei der Hüpfmaus möglich ist, wird bald auch bei Hunden, Affen und Menschen möglich sein", so Professor Dubinin. "Wir werden schon bald unheilbar kranke Menschen in die kryonische Aufbewahrung bringen, um sie in der nahen Zukunft, wenn ihre Todesursache geheilt werden kann, wieder zum Leben zu bringen."
Aber auch Europäer werden demnächst wahrscheinlich die Chance der kryonischen Aufbewahrung bekommen. Kryobiologen in Holland, Spanien und in der Schweiz wollen bis spätestens 2007 mehrere Kryonikinstitute in Europa eröffnen. Besonders in Holland ist die Gesetzgebung aufgeschlossen. Warum muß in Deutschland weiterhin endgültig gestorben werden? "Wir haben unsere Traditionen", so zum Beispiel der Kommentar des Innenministeriums von Rheinland-Pfalz. Naja und mal ganz ehrlich: Was wollen Personen mit solchen Ansichten auch in einer immer moderner werdenden Zukunft?
Kryonikanlage bei "Alcor" in den USA. Hier ruhen bereits seit 1967 menschliche Leichname in flüssigem Stickstoff und warten auf ihre Auferstehung. Wird diese dank russischer Forschungergebnisse jetzt bald stattfinden? |